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Die Druckvorlage für den Lichtdruck ist Gelatine. Ein Protein, das in aufwendigen Verfahren aus tierischem Bindegewebe und/oder Knochen gewonnen wird.

Die Anwendungsgebiete reichen von Nahrungsmitteln (Gummibärchen, Aspik, Desserts, …), Tierfutter über pharmazeutische Anwendungen als Medikamentenkapseln, Nährböden oder zur Wundheilung bis zu Zusätzen von Klebstoffen. Maskenbildner nutzen Gelatine um Wunden und Blut zu simulieren und die Fotografie wäre ohne Gelatine als Trägermaterial in Filmen und Papieren nicht denkbar.

Die für den Lichtdruck relevanten Eigenschaften:

  • Gelatine quillt in Wasser und schmilzt bei ca. 40° C. 
  • Beim Abkühlen entsteht ein Gel, welches bei höheren Konzentrationen schnittfest ist.
  • Bei der Trocknung bildet sich durch Wasserentzug sich eine harte, glatte Oberfläche

Lichtdruckgelatinen in verschiedenen Härtegraden wurden uns netterweise als Pulver von der Firma GELITA aus Eberbach zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank.

Um mit Gelatine feinste Kunstdrucke zu erstellen, braucht es einen chemischen Zusatz, der unter UV-Licht einen Lichtgerbungsprozess hervorruft. Dem KaliumDiChromat und potentiellen Alternativen widmen wir einen separaten Beitrag.

Entscheidend für den Auflagedruck war die Entwicklung einer Unter-/Zwischenschicht, die die Gelatine mit dem Träger mechanisch verbindet. Joseph Albert hat mit einer Mischung aus Albumin, Gelatine und Natronwasserglas eine solche entwickelt, den Lichtdruck 1867 zum Patent angemeldet und die industrielle Nutzung möglich gemacht. (Auch ihm, der Geschichte des Lichtdrucks und der Vorpäparation werden wir noch (huldigende) Beiträge widmen…)

Neben dem Rezept spielt die Verarbeitung der Gelatine eine entscheidendere Rolle!

Hartmut Voigt hat sich intensiv mit den (mechanischen) Eigenschaften von Gelatine auseinandergesetzt, die sich durch unterschiedliche Behandlung (beim Quellen, Schmelzen und Reifenlassen) durch die Faktoren Zeit und Temperaturen ergeben, wofür wir sehr dankbar sind und wovon wir gerne profitieren.

Da wir z. Zt. noch nichts über die mechanischen Eigenschaften der Druckschicht sagen können, werden wir das nachholen…

Das Grundrezept für Lichtdruckgelatine ist „einfach“ und hat sich seit den Anfängen nicht geändert.

Man nehme…

7-9% Gewichtsanteil Gelatine des Wassers und mische es
mit maximal 20% Gewichtsanteil KaliumDiChromat der Gelatine.

Die Viskosität – und damit die Gießeigenschaften – lassen sich primär über den Wasseranteil steuern. Wenn die Platte anschließend getrocknet wird, verdunstet das Wasser. Die Verarbeitungstemperatur und die verwendete Gelatinesorte haben ebenfalls Einfluss, die es zu berücksichtigen und zu testen gilt.

Die benötigte Menge ergibt sich aus der zu präparierenden Fläche, wobei hier die Menge an Gelatine ausschlaggebend ist.
Abhängig vom Motiv kann/muss die Schichtdicke variieren und liegt zwischen 20 und 30g Gelatine pro Quadratmeter.

Es darf gerechnet werden…

Zur Verarbeitung.

Wir haben uns nach diversen Versuchen dazu entschlossen, die Gelatine in Gefrierbeuteln zu verarbeiten und mit Wasserbad zu arbeiten.

Zum Abwiegen, Mischen, Portionieren und Gießen hängen wir den Beutel in ein passendes Becherglas und stülpen ihn über den Rand, um eine stabile Form zu haben.

Das bringt die Vorteile, dass sich die Mischung und der Schmelzvorgang beobachten lässt, sich Beutel einfach kneten/verformen (statt Umrühren), verschließen und lagern lassen, keine offene Oberfläche haben (müssen) und keine Gefäße, Rührstäbe, Thermometer, … gereinigt werden brauchen.

Die benötigte Mengen werden abgewogen und vermengt. Wir lassen die Gelatinemischung eine Stunde bei Zimmertemperatur quellen.

Für das Wasserbad setzen wir einen heizbaren Magnetrührer ein, der über einen Fühler im Wasser die programmierbare Temperatur regelt. Ein drehender Magnetfisch mischt und verteilt das Wasser gleichmäßig.

Im Wasserbad braucht die Gelatine bei 55° C ca. 20 Minuten zum Schmelzen. Es empfiehlt sich jedoch, sie mindestens eine halbe Stunde im Wasserbad zu lassen und gelegentlich zu bewegen bzw. zu „kneten“.

Zum Abkühlen klappen wir die Tüte zu, um Staub zu vermeiden und lassen sie über Nacht reifen, was nach Angaben von Herrn Voigt zu einer besseren Vernetzung und mechanischer Widerstandsfähigkeit führt. Vor dem Gießen wird sie erneut geschmolzen und kann dann auf die Platte gegossen werden…

Die Tüte mit letzten Resten wird veschlossen und entsorgt.

Filtrieren

In den Fachbüchern werden der Filtrierung der Gelatine eigene Kapitel gewidmet und auf die Notwendigkeit hingewiesen. Wir haben verschiedene Techniken ausprobiert, wobei wir bisher keine nennenswerten Vorteil durch das Filtern erkennen konnten. Es könnte mit der heutigen Herstellung, der damit verbundenen Reinheit der Materialien und dem sauberen Umgang zusammenhängen…?!

Der Vollständigkeit halber hier unsere gemachten Erfahrungen…

Wir haben mit verschiedenen Kaffeefiltern aus Keramik, Kunststoff und Metall experimentiert, in die angefeuchtete Filtertüten verschiednerer Porengröße gelegt wurden. Die Filter wurde teilweise temperiert. Der Beutel wird darin entleert oder eingelegt und umgestülpt. So können Filter und Sack entsorgt werden.

Nachteile dabei sind: ein kontaminierter Filter, der gereinigt werden muss, es braucht ein zusätzliches Auffanggefäß, um die gefilterte Menge abwiegen zu können und es dauerte teilweise eine halbe Stunde.

Unsere präferierte Variante ist ein Nylonstrumpf, der beim Gießen über das Becherglas gestülpt wird. Durch unterschiedliche Dehnung lässt sich die Fließmenge regulieren! Der Filter kann einfach durch Verschieben „erneuert“ werden. Funktioniert, ist günstig, spart Zeit und produziert wenig Abfall.

GELITA hat uns dazu folgenden Hinweis gesendet..

Die heutigen Gelatinen werden unter Lebensmittelbedingungen produziert und filtriert. Die Qualitäten sind deutlich höher als in früheren Zeiten. Unlösliche Teilchen oder Verunreinigungen während des weiteren Verarbeitungsprozesses können jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. GELITA empfiehlt seinen Kunden deshalb Gelatinelösungen vor dem Einsatz entsprechend den Anforderungen der Produkte zu filtrieren.